Seminar-Info

Grundlagenseminar

Alf Mudrich
Josua-Gemeinde Bautzen
Dr.-Peter- Jordan- Str. 9
02625 Bautzen


T h e m a X

hrist und Gemeinde


Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Die Gemeinde - innigste Form der Gemeinschaft

2. Die Gemeinde - der Lohn Jesu

3. Die Gemeinde - Braut Jesu

4. Die Gemeinde - Leib Jesu

5. Der Heilige Geist und die Gemeinde

6. Die Gemeinde - der geistliche Tempel

7. Die Ortsgemeinde - eine geistliche Einheit

8. Die Schutzfunktion der Gemeinde

9. Die Aufgabe der Gemeinde

10. Wie wird man Teil der Gemeinde ?

11. Ordnungen der Gemeinde

12. Gemeindezucht

13. Ämter der Gemeinde

Zusammenfassung

Fragen zum Thema X


Thema X: Christ und Gemeinde

Einleitung

Gott hat den Menschen zur Gemeinschaft mit sich und untereinander geschaffen. Durch die Gemeinschaft mit Gott wird er zur Gemeinschaft untereinander fähig, durch die Gemeinschaft untereinander empfängt er wiederum von Gott und lernt ihn besser kennen und verstehen. Diese Wechselbeziehung wird schon bei der Schöpfung deutlich:

Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. 1.Mose 2,18
Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so daß er einschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloß ihre Stelle mit Fleisch; und Gott der Herr baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau, und er brachte sie zum Menschen. Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn vom Mann ist sie genommen.


Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden. 1.Mose 2,21-24

Wir erkennen, daß Gott den Menschen so geschaffen hat, daß er im anderen seine Entsprechung findet. Nur in Gemeinschaft kann deshalb auch Gott letztendlich erkenn- und verstehbar werden. Gottes Bild wird erst in der Gemeinschaft für andere sichtbar:

Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. 1.Mose1,27

Die Ehe als engste natürliche Gemeinschaft sollte also das Bild Gottes widerspiegeln. Deshalb war sie von Anfang an Zielpunkt der Angriffe Satans. Über diese Beziehung fielen die ersten Menschen in Sünde. Gegenseitig versuchten sie sich vor Gott die Schuld zuzuschieben. (1.Mose 3,6+12) Die Verheißung des Nachkommens an Eva zeigt, daß Gott nun durch die Gemeinschaft der Familie erkennbar werden wollte.

Aber schon mit dem Brudermord von Kain an Abel wurde deutlich, daß Gemeinschaft untereinander nur in Gemeinschaft mit Gott funktioniert. In den folgenden Zeiten berief sich Gott immer wieder Familien, durch die er wirken konnte, und seinen Plan mit den Menschen ausführte. Trotz allem wurde die Unvollkommenheit dieser Gemeinschaft immer wieder deutlich. Noah, der durch seinen Gehorsam die Schöpfung rettete, verfluchte seinen eigenen Sohn (1.Mose 9,20-25). Auch in der Familie Abrahams wählte sich Gott stets nur einen der Söhne aus, um ihm seine ganz besondere Freundschaft zu erzeigen (Isaak vor Ismael, Jakob vor Esau).

Erst mit der Familie Jakobs erbte eine ganze Familie mit allen ihren Nachkommen den besonderen Segen und die Erwählung Gottes, denn jetzt stellte sich Gott in einer anderen Form der Gemeinschaft dar - in seinem Volk Israel (= neuer Name für Jakob). Durch dieses Volk zeigt Gott bis heute seine Macht, doch mußte er auch diese Gemeinschaft, die ihn vor der Welt darstellen sollte in mehreren Stufen richten, weil sie mehr und mehr von ihm und seinem Reden unabhängig sein wollten (Matth.21,33-46). Diese Stufen waren:

1. Das Ende der direkten Gottesherrschaft (Theokratie), Einsetzung von Königen,

2. Teilung des Reiches nach dem Tod Salomos unter Rehabeam,

3. Zerstörung des ersten Tempels, babylonische Gefangenschaft, danach das Ende der politischen Unabhängigkeit,

4. Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr., Zerstörung des Herodianischen Tempels, Zerstreuung der Juden in alle Welt.

1. Die Gemeinde Jesu - innigste Form der Gemeinschaft

Nachdem Jesus sah, daß die geistlichen Führer des Volkes Israel ihn töten wollten, spricht er im o.g. Gleichnis (Matth.21,43) davon, daß das Reich Gottes einem anderen Volk gegeben werde. Die Gemeinschaft welche dieses Volk zusammenhält ist nicht eine gemeinsame Kultur, Sprache oder menschliche Abstammung, sondern eine geistliche Abstammung - die Gemeinschaft der wiederge­borenen Kinder Gottes -die Gemeinde. Während alle vorangegangenen Formen der Gemeinschaft (Ehe, Familie, Nation) nur Bilder und Hinweise auf diese Gemeinschaft sein konnten, und unter dem Bruch der Gemeinschaft Gottes mit dem Menschen seit dem Sündenfall litten, besitzt die Gemeinde Jesu eine ganz neue Qualität. Jesus hat den Bruch der Gemeinschaft des Menschen mit Gott durch sein Sterben überwunden. Seitdem ist diese neue Form der Gemeinschaft möglich - eine Einheit, welche nicht in erster Linie durch Identifikation mit derselben Idee, sondern durch Anteilhaben an der selben Person (Joh.13,8b) real wird. Das geschieht, indem Menschen:

1. Buße tun dafür, daß ihnen die Gemeinschaft Gottes, die er durch Jesus anbietet, bisher unwichtig oder lästig war;

2. eine neue Geburt aus dem Heiligen Geist erfahren und

3. diese Erfahrung durch Wort (Bekenntnis) und Tat (Taufe) als ein Handeln Gottes an ihnen bezeugen.

Seit Pfingsten - dem Geburtstag der Gemeinde - ist diese Form der Gemeinschaft möglich, weil der Heilige Geist nun jedem an Jesus Gläubigen auch Anteil an ihm geben kann. Er selbst ist eine eigene Persönlichkeit, und doch ein Teil der Person Jesu. Genauso bleibt jeder Gläubige eine eigene Persönlichkeit und ist doch ein Teil der Person Jesu, wie das Bild vom Haupt und Leib Jesu in Eph.1,23 zeigt. Diese Zugehörigkeit ist geistlicher Art. Sie ist die stärkste Form von Gemeinschaft - stärker, als die leibliche Zugehörigkeit (1.Mose 2,24b / Eph.5,28+29).

Wir wissen, daß unser Geist das prägende Element unserer Persönlichkeit ist. Ebenso ist es bei Gott. Sind wir mit ihm durch seinen Geist verbunden, so ist der wichtigste Teil unserer Persönlichkeit mit ihm verbunden. Alle anderen Bereiche werden, entsprechend unseren Entscheidungen, mehr und mehr in diese Verbindung einbezogen.

Wir können Gemeinde Jesu als innigste Form der Gemeinschaft Gottes mit den Menschen verstehen, weil sie Gemeinschaft des Geistes ist. Bis in alle Ewigkeit wird diese Gemeinschaft (Gemeinde) bestehen und ein besonderes Verhältnis zu Jesus genießen. Auch im Himmel und auf der neuen Erde wird es nach den Aussagen der Offenbarung Unterschiede in der Stellung der Gemeinde und der anderen Erlösten geben.

2. Die Gemeinde - der Lohn Jesu

Jesus, der uns in allem von Gott zum Vorbild gesetzt ist, muß auch besonders im Bereich des Glaubens für uns beispielgebend sein. Nun wissen wir aus dem Kapitel des Glaubens Hebr.11,6, daß biblischer Glaube zwei wichtige Inhalte besitzen muß:

1. Glaube an die Existenz Gottes, wie ihn uns die Bibel beschreibt,

2. Glaube daran, daß er denen, die ihn suchen (die seinen Willen erkennen und auch tun wollen), ein Belohner sein will.

Auf welchen Lohn sah nun Jesus, während er dem Satan in der Wüste widerstand, oder in Gethsemane mit dem Tod rang; während er der Versuchung widerstand, vom Kreuz herabzusteigen und seine Macht als Messias zu zeigen, oder als er auf dem Höhepunkt seiner Schmerzen seinen Mördern vergab?

Niemand ist bereit sich für ein paar Pfennige in ein lebensgefährliches Abenteuer zu stürzen. Wenn es aber um die Millionen geht, nehmen Menschen oft Schmerzen oder große Risiken auf sich. Je höher der Lohn, um so höher der persönliche Einsatz. Was war nun der Lohn, für den Jesus alle Herrlichkeit beim Vater verließ, und dreiunddreißig Jahre verfolgt und verkannt in einem besetzten Land lebte, um am Ende unverstanden und schuldlos gefoltert und getötet zu werden? Womit konnte Jesus, der alle Herrlichkeit des Vaters genoß, noch belohnt werden? Es ist die Gemeinde - die Gemeinschaft mit seinen geliebten Geschöpfen in einer Atmosphäre der freiwilligen Anbetung und Liebe zu ihm. Dieser Lohn wird für alle Welt sichtbar sein, wenn Jesus mit der entrückten Gemeinde wiederkommt, um sein Friedensreich aufzurichten. Hiervon reden folgende Texte:

Siehe, der Herr, HERR kommt mit Kraft, und sein Arm übt die Herrschaft für ihn aus. Siehe, sein Lohn (die Gemeinde Jesu) ist bei ihm, und seine Belohnung geht vor ihm her. Jes.40,10

Siehe, der Herr läßt es hören bis ans Ende der Erde hin: Sagt der Tochter Zion: Siehe dein Heil kommt. Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Belohnung geht vor ihm her. Und man wird sie (die Gemeinde?) nennen: das heilige Volk, die Erlösten des Herrn; und dich (Jerusalem) wird man nennen: die Gesuchte, die nie mehr verlassene Stadt. Jes.62,11+12

Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist. Off.22,12

Die Präsentation der Gemeinde aller Zeiten bei Jesu sichtbarer Wiederkunft wird der größte Triumph Jesu vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Jeder wird die Liebe Jesu begreifen. In Ewigkeit wird es feststehen, daß allein er würdig ist, Herr zu sein, weil niemand so viel für seine Geschöpfe getan hat, wie Gott.

3. Die Gemeinde - Braut Jesu

Die Ehe ist ein Bild für das Verhältnis von Jesus und seiner Gemeinde. Mit dem Begriff Braut verbinden wir die Vorstellung von einem Liebesverhältnis in völliger Freiwilligkeit, ein Geben und Nehmen, entsprechend seiner in der Schöpfungsordnung erhaltenen spezifischen Rolle, tiefstes Verständnis füreinander, Empfinden der eigenen Bedeutung für den anderen, wie das Bedürfnis, anziehend und schön für den anderen sein zu wollen. Übertragen wir das Bild auf unsere Beziehung zu Jesus, sehen wir, daß wir als Gemeinde ein neues Verständnis brauchen, für das, was wir Jesus bedeuten. Andererseits sagt uns die Bibel auch, daß Jesus, unser Bräutigam, obwohl er seinen Vater über alles liebt, die gleiche Zuwendung, die er vom Vater erhalten hatte, jetzt seiner Gemeinde weitergeben will (Joh.15,9). Wie bei einem Bräutigam wird seine Beziehung zum Vater eine andere, sobald die Braut in sein Leben tritt. Obwohl er seinen Vater noch genauso liebt und achtet, verläßt er doch sein Vaterhaus, um mit ihr zu leben. Ist das aber so einfach auf Jesus übertragbar? Paulus schreibt dazu:

Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies Geheimnis ist groß. Ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. Eph.5,31+32

Die Braut hat außerdem eine bevorzugte Stellung vor allen anderen Bekannten, Freunden und Verwandten. Das zeigt uns auch das Gleichnis von den zehn Jungfrauen in Matth.25. Sie sind zwar geladen, sind aber nicht die Braut. Auch Johannes, der Täufer wußte, daß er zwar der Freund des Bräutigams ist, Jesus aber seine Braut sammelt Joh.3,29. Diese Zeit konnte er leider nicht mehr erleben, weil er noch vor Pfingsten getötet wurde.

Wie schön das Hochzeitsmahl des Lammes (Jesu) sein wird, können wir uns alle nicht vorstellen. Jesus und der ganze Himmel leben auf dieses Ereignis zu. Es wird der schönste Tag unseres Lebens. Aber werden wir dann wirklich so sein, wie sich Jesus, unser Bräutigam uns vorstellt? Manche werden sich ängstlich fragen, ob das jemals erreichbar ist? Jesus selber sieht seine Gemeinde schon rein und heilig, sobald sie sich unter die Autorität seines Wortes stellt.

Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat, und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle, als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei. Eph.5,25-27

Menschen, die bewußt unter der Autorität seines Wortes leben, erkennt Jesus bereits als rein, obwohl vielleicht noch Charakterschwächen u.ä. sichtbar sind. So sagt er zu seinen Jüngern:

Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Joh.15,3

4. Die Gemeinde - Leib Jesu

Und er hat alles unter seine Füße getan, und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist ... Eph.1,22+23

Was bedeutet es nun, Leib Jesu zu sein? (Vergl. auch Kol.1,24 / 1.Kor.10,17 !)

1. Hatte Jesus während er auf der Erde lebte, durch sein Wort und seinen Leib geheilt, Dämonen ausgetrieben, Tote auferweckt, Menschenmassen gespeist und viele andere Taten getan, so tut er dasselbe noch heute. Darum verheißt er für die Zeit nach seiner Himmelfahrt seinen Jüngern (Joh.14,12): Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere, als diese tun, denn ich gehe zum Vater. Die Gemeinde, als Leib Jesu, führt das von ihm begonnene Werk weiter, die Werke des Teufels auf dieser Welt zu zerstören (1.Joh.3,8).

2. Die Gemeinde ist Teil der Person Jesu, sie ist mit ihm verbunden, wie der Körper mit dem Kopf. Sie funktioniert auch in der gleichen Weise. Während der Leib alle Impulse der Außenwelt erst zum Gehirn leitet, kommen von dort die Anweisungen, welche die Reaktionen der Glieder des Körpers bestimmen (Reflexbogen). Das Gehirn kann nicht ohne die Glieder des Körpers wirksam werden, die Glieder des Körpers ohne Gehirn aber ebensowenig. Sind Nervenstränge verletzt, die beide miteinander verbinden, so kommt es zu Funktionsausfall und Lähmungen. Diese Prinzipien sind auch auf Jesus und die Gemeinde im geistlichen Sinne übertragbar.

3. Jesus hat mit seiner Sendung (Joh.17,18) alle geistliche Autorität, die er auf dieser Erde hatte, seiner Gemeinde übertragen. Das zeigt der o.g. Ephesertext, in dem es heißt, daß alles unter seine Füße getan ist. Sind wir sein Leib, so gehören die Füße ohne Zweifel dazu. Wir könnten übertragen sagen, daß Jesus selbst den Geringsten in der Gemeinde all seine Vollmacht zur Verfügung gestellt hat. Das bestätigt auch Eph.1,19-20: ... wie überschwenglich groß seine Kraft an uns (ist), die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat.

4. Wie im natürlichen Leib, so gibt es auch in der Gemeinde eine sinnvolle Funktions- und Arbeitsteilung. Die einzelnen Glieder und Organe ergänzen einander und sind voneinander anhängig. Wie es im natürlichen Leib einerseits Organe gibt, die mehr die inneren Abläufe und Strukturen bewahren, andererseits wieder Glieder, die stärker nach außen wirksam sind (Arme, Beine), so gibt es auch in der Gemeinde verschiedene Gaben und Ämter. Jesus selber hat in der Gemeinde einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden. Eph.4,11+12

Die einzelnen angeführten Dienste werden wir an anderer Stelle noch ausführlicher betrachten.

5. Aber nicht nur diese fünf Dienste brauchen die Ergänzung des anderen in der Gemeinde. Paulus kann nicht genug betonen, daß jeder Christ den anderen braucht, um in der Ergänzung Auferbauung (d.h. Stabilisierung, Motivation u. Wachstum) seines Glaubens zu erfahren (1.Kor.12,4-31). Jeder Wiedergeborene, im Heiligen Geist getaufte Christ, hat von Jesus eine oder mehrere Gaben des Heiligen Geistes empfangen, die er zum Nutzen der Gemeinde einsetzen soll. Während Jesus alle Gaben des Geistes (siehe Thema 6.7.1.) in sich vereinte, tritt die Fülle der geistlichen Gaben erst in der Gemeinde zutage. Paulus konnte der Gemeinde in Korinth bestätigen, daß sie keinen Mangel an irgend einer Gabe hatte (1.Kor.1,6+7).

Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied. 1.Kor.12,26+27

Wer kann heute noch wirklich mitleiden oder, was noch viel schwieriger ist, sich darüber freuen, wenn andere geehrt werden? Nur wer selber so ein großes Potential an Freude und Ehre besitzt, daß er davon abgeben kann. Dieses Potential an Freude und Ehre schenkt der Heilige Geist. Er ist es auch, der die einzelnen Glieder, wie im natürlichen Körper, durch ein Netz von Nervenverbindungen miteinander verbindet, so, daß von der ersten Gemeinde gesagt werden konnte:

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte, denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte. Apg.4,32+34

In der Verbindung mit dem Heiligen Geist, ist die Gemeinde in der Lage, Mitgefühl und Identifika­tion der einzelnen untereinander zu entwickeln, wie sie in anderen Gemeinschaften nicht möglich sind. Deshalb ist auch die erste Gemeinde das einzige Beispiel eines funktionierenden Kommunismusin der Geschichte.

Die "Leibhaftigkeit" der Gemeinde ist das stärkste Zeugnis für die Leibhaftigkeit Jesu in der Welt. (Joh.13,35)

5. Der Heilige Geist und die Gemeinde

Seit Pfingsten ist die Welt Gottes wieder mit unserer irdischen Welt verbunden. Diese Verbindung hält der Heilige Geist, der sich wiederum an die Gemeinde Jesu gebunden hat. Reich Gottes ist in unserer Zeit dort, wo der Heilige Geist wirken und regieren kann. Auch im AT griff der Heilige Geist oft "besuchsweise" in die Geschicke der Menschen ein (z.B. durch gesalbte Ämter wie Könige, Priester und Propheten des Volkes Israel). Eine Wohnung oder feste Basis seines Wirkens bekam er aber erst in der Gemeinde.

Während er im AT auf Menschen fiel, lebt und wirkt er im NT in der Gemeinde, wie im einzelnen Gläubigen. Wenn die Gemeinde entrückt sein wird, wird auch der Heilige Geist keine Wohnung mehr auf dieser Erde haben. Diese enge Gemeinschaft mit der Gemeinde Jesu wird in Ewigkeit bestehen (1.Kor.13,13c / Joh.14,16).

Vielleicht haben wir uns schon einmal gefragt, wie die ersten Christen in der Lage waren, ihr gesamtes Eigentum mit Menschen zu teilen, die sie noch gar nicht lange kannten und sich nicht selber ausgesucht hatten (Apg.2,44+45), oder wie die Apostel sich freuen konnten wenn sie vor dem Hohen Rat geschlagen wurden (Apg.5,40+41). Wie konnte Stephanus segnend in den Märtyrertod gehen (Apg7,60)? Waren das nicht auch alles ganz normale Menschen mit Schwächen und Ängsten? Es war die Kraft des Heiligen Geistes die so gegenwärtig unter ihnen war, daß die Bibel davon spricht, daß er in der Gemeinde "wohnt".

6. Die Gemeinde - der geistliche Tempel

Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? ... denn der Tempel Gottes ist heilig, der seid ihr. 1.Kor.3,16+17b (Lies auch Eph.2,19-22 !)

Jeder Christ ist im Bild gesprochen ein Stein in diesem Haus und soll seinen festen Platz in der Gemeinde finden. Gott hat für jeden Christen einen Platz, den niemand so gut wie er ausfüllen kann. Er möchte uns in dieses Haus einbinden, das wie der Tempel Salomos, von der Herrlichkeit Gottes redet. Jeder Tempel beherbergt ein Heiligtum. Das ist die gute Nachricht von der Versöhnung Gottes mit uns Menschen am Kreuz. Je herrlicher das Gebäude des Tempels sein wird, um so höher wird der Inhalt des Evangeliums geschätzt. Lange Zeit hat das Haus Gottes in der Kirchengeschichte wüst gelegen, so, daß die Welt den Wert unserer Botschaft nicht erkennen und würdigen konnte. Wo Gemeinde sich nach dem Bauplan Gottes (Bibel) auf dem Grundstein, Jesus Christus, aufbauen läßt, wird die Welt sich für ihre Botschaft interessieren (Apg.2,47).

Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Haus ... 1.Petr.2,5a (Lies auch die Verse 4-8 !)

Wie der Tempel Salomos, des Sohnes Davids, nach 2.Chr.3,1 an der Stelle erbaut wurde, wo Abraham bereit war, seinen Sohn zu opfern, so wird auch der Tempel Jesu, des Sohnes Davids nur auf der Grundlage gebaut, daß der himmlische Vater seinen Sohn für uns gab. Wie zu Salomo alle Könige gepilgert kamen, um den Tempel zu sehen, werden auch die Menschen zu Jesus und seiner Gemeinde kommen, wenn diese wieder auf biblischer Grundlage gebaut, mit der Herrlichkeit Gottes erfüllt sein wird (2.Chr.5,13+14).

7. Die Ortsgemeinde - eine geistliche Einheit

Die Gemeinde ist der Leib Jesu auf der ganzen Welt, die Gesamtheit aller wiedergeborenen Christen. Aber erst bei der Wiederkunft Jesu kann sie in ihrer Gesamtheit in Erscheinung treten. Bis dahin ist sie zeitlich, örtlich und seit über 400 Jahren auch in verschiedene Denominationen voneinander getrennt. Deshalb kennt schon die Urgemeinde die Ortsgemeinde als die verbindliche geistliche und strukturelle Einheit.

Daß das Wort, welches wir mit Kirche oder Gemeinde übersetzen, eigentlich schlicht Versammlung bedeutet, unterstreicht noch einmal die Bedeutung der einzelnen Ortsgemeinden. Lies hierzu Off.1,20b ! Jede einzelne Ortsgemeinde ist durch einen Leuchter (Bild für Gemeinde) dargestellt, nicht etwa nur durch den Arm eines Leuchters.

Das NT kannte keine organisatorisch - geistliche Einheit, die über eine Stadt und ihr Umfeld hinausging, wie wir sie heute in den Konfessionen finden. Aus diesem NT Gemeindeverständnis heraus, können wir die Notwendigkeit erkennen, verbindlich Teil einer Ortsgemeinde zu sein.

8. Die Schutzfunktion der Gemeinde

Jede Gemeinschaft bietet ihren Mitgliedern einen gewissen Schutz. In der Ehe schützt der Mann seine Frau, in der Familie die Eltern ihre Kinder, in einer Nation die Botschaft ihre Staatsbürger im Ausland. Die Gemeinde wird trotz oder gerade wegen ihres Auftrages, Salz und Licht der Welt zu sein, vollkommen von Jesus geschützt. Jede Bedrohung der Gemeinde empfindet Jesus als direkte Bedrohung seiner Person (Apg.9,1-5).

Die Gemeinde ist die Botschaft (diplomatische Vertretung) des Reiches Gottes auf dieser Welt. Paulus spricht davon, daß wir Botschafter an Christi Statt sind (2.Kor.5,20). Jedes Mitglied einer Botschaft steht unter dem besonderen Schutz und Augenmerk der Regierung seines Landes. So auch die Glieder der Gemeinde.

Die Gemeinde steht außerdem in einem andauernden Kampf gegen die Mächte des Satans. In diesem Kampf genießt sie den ausgesprochenen Schutz Gottes:

Siehe, ich gebe euch die Macht auf Schlangen und Skorpione zu treten, und über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch irgendwie schaden. (Luk.10,19)

Je deutlicher die Gemeindestrukturen denen der ersten Gemeinde entsprechen, um so massiver der Schutz Gottes. Viele Verheißungen, des Schutzes Gottes sind speziell für die Gemeinde bestimmt:

... auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. (Matth.16,18)

Die biblische Gemeinde (Gemeinschaft der Wiedergeborenen) ist zwar einerseits Hauptangriffspunkt des Feindes, andererseits aber auch ein vollkommener Schutzraum. Einzelne Christen können überwältigt werden, die Gemeinde jedoch nicht!

9. Die Aufgabe der Gemeinde

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre. 1.Joh.3,8a

Aufgabe der Gemeinde ist es, das von Jesus begonnene Werk fortzusetzen. Dazu hat Jesus sie in der gleichen Weise gesalbt, wie er zu Beginn seiner Wirksamkeit gesalbt wurde. Deshalb überträgt Jesus auch Bilder, durch welche er sein Wirken beschreibt auf die Gemeinde:

... Ich bin das Licht der Welt (Joh.8,12/9,5) - ... Ihr seid das Licht der Welt (Matth.5,14) oder ... das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle des Wassers werden ... (Joh.4,14) oder ... Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer da glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Joh.7,37+38)

Das größte Werk des Satans ist die Trennung der Menschen von Gott. Die Gemeinde soll der ganzen Welt verkünden, daß Jesus diese Trennung am Kreuz überwunden hat, und daß nun jedem die Möglichkeit der Buße zur Vergebung seiner Sünden offensteht.

... daß gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem und seid dafür Zeugen. Luk.24,47+48

Darum gehet hin und macht zu Jüngern alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Matth.28,19+20

Wir sehen zwei Hauptaufgaben für die Gemeinde in dieser Welt:

1. Predigt des Evangeliums in der Kraft des Heiligen Geistes (Apg.1,8)

2. Lehren in Jüngerschaft (verbindliche Nachfolge) der Bekehrten

10. Wie wird man Teil der Gemeinde ?

Petrus gibt in seiner Pfingstpredigt wichtige Hinweise, wie man Glied der Gemeinde wird: Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und an diesem Tag wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen. Apg.2,41

Welches Wort des Petrus nahmen diese dreitausend Menschen an?

Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Apg.2,38 ... laßt euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht! Apg.2,40

1. BUßE: Für die Hörer der Pfingstpredigt des Petrus muß es eine demütigende Erkenntnis gewesen sein, daß dieser Jesus, den sie selber haben kreuzigen lassen, jetzt als der Auferstandene unter ihnen wirkt. Buße bedeutete für sie das Eingeständnis, daß sie bisher Gott gegenüber in Feindschaft gelebt haben, auch wenn es ihnen bis dahin nicht so deutlich bewußt war. (Röm.1,19-21)

Was bedeutet Buße heute für Menschen, die Teil der Gemeinde werden wollen?

Das Eingeständnis, daß sie bisher an der Erlösung, die Gott durch Jesus jedem anbietet, vorbeigelebt haben. Die Erkenntnis der persönlichen Mißachtung des Angebotes Gottes, auf dem Hintergrund des hohen Preises, den Gott für unsere Erlösung gezahlt hat. Das ist die Buße, von der Apg. 2 als Voraussetzung zur Gemeindezugehörigkeit spricht.

Aber muß diese Buße nicht alle Sünden und Fehlhaltungen einschließen?

Es wird nicht berichtet, daß nach der Pfingstpredigt die Jünger lange Seelsorgegespräche geführt hätten, in denen diejenigen, die in die Gemeinde aufgenommen werden wollten, ihre Lebensbeichte abgelegt hätten. Sündenerkenntnis schenkt der Heilige Geist. Oftmals sind den Neubekehrten am Anfang des Weges viele Sünden noch gar nicht bewußt. Was ihnen bewußt ist, sollte natürlich unbedingt bereinigt werden. Dabei ist Sündenbekenntnis vor Geschwistern, denen man vertraut, am wirkungsvollsten gegen die oft folgenden Anklagen des Satans. Er will den "Neugeborenen Kindern im Glauben" ihr gutes Gewissen rauben und ihnen erklären, daß sie so einfach nicht von ihrer Schuld frei werden.

Wenn nun Menschen in die Gemeinde kommen, die manche Sünden noch nicht erkannt und bekannt haben, holen wir uns dann nicht die Welt in die Gemeinde? Genügt es wirklich die Trennung von Gott als Schuld erkannt zu haben und darüber Buße zu tun? Es genügt nicht, sondern ein zweiter Schritt muß folgen: die Taufe auf den Namen Jesu.

2. TAUFE ist ein lebensverändernder Entschluß, der überlegt sein will. Auf wen man getauft ist, dem unterstellt man sich als Autorität - er darf ins eigene Leben hineinreden, Korrektur geben und Entscheidungen beeinflussen. Mit der Taufe unterstellt man sich Jesus Christus, der durch sein Wort, durch seinen Geist und durch die Geschwister zu einem redet. Wir sehen also, daß am Anfang nicht vollkommene Sündenerkenntnis stehen muß, aber eine vollkommen Hingabe an Jesus und sein Wort. Taufe in Wasser bedeutet, Taufe auf das Wort Gottes als Autorität; ein hundertprozentiges Einverständnis, sich jederzeit vom Wort Gottes korrigieren zu lassen. Das beinhaltet auch ein Einverständnis zur Jüngerschaft.

3. JÜNGERSCHAFT ist lebenslange Schulung in der Nachfolge Jesu. Diese Schulung geschieht nach Matth.28,20a durch Menschen, die andere die Weisungen Jesu lehren. Jüngerschaft hat zum Ziel, daß jeder Gläubige in seine Berufung hineinwächst, und die Ausmaße dessen, was Jesus für ihn getan hat in vollen Umfang erkennt.

11. Ordnungen der Gemeinde

Der Heilige Geist ist nach 2.Tim.1,7 ein Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht (entspr. Ordnung oder Disziplin). Während das AT aus einer Vielzahl von Ordnungen bestand, möchte der Heilige Geist, daß das Verhältnis in der Gemeinde durch die gemeinsame Liebe zu Jesus bestimmt wird. Um Jesu willen wird man bereit, den Vorteil des anderen zu suchen und nicht den eigenen. Das funktioniert aber nur dort, wo man selber erfahren hat, daß Jesus für einen sorgt. Je größer die Liebe untereinander, um so weniger Gesetze und Spielregeln! Es ist wie im Verhältnis von Mann und Frau in der Ehe: Liebt man sich sehr, braucht man keine Festlegungen, wieviel Geld man dem anderen abzugeben hat, wann man die Kinder bekommt o.ä. Lebt man aber in Scheidung muß jede Kleinigkeit über einen Rechtsanwalt juristisch festgelegt werden.

Die Liebe des Heiligen Geistes ist das Band, welches Geschwister in der Gemeinde miteinander verbindet (Röm.5,5). Darum gibt es für die Gemeinde kein Paragraphenwerk als Gemeindeordnung, sondern nur einige grundlegende Anweisungen. Diese sind für die nichtjüdischen Gemeinden beim Apostelkonzil (Apg.15) festgelegt und vom Heiligen Geist bestätigt worden. Apg.15,20 nennt uns drei Dinge von denen sich die Christen enthalten sollen:

1. Götzendienst - (nach 1.Kor.10,20 Gemeinschaft mit Dämonen) Hierbei ist an alles zu denken, wodurch man an Jesus vorbei, Zugang zur geistlichen Welt (Transzendenz) bekommt. Unter diese Rubrik fallen alle okkulten und esoterischen Praktiken. Im erweiterten Sinne können wir darunter alles verstehen, was den Platz der Gemeinschaft mit Gott besetzt, und so diese Gemeinschaft verhindert. (Paulus bezeichnet z.B. Habsucht als Götzendienst.)

2. Unzucht - bezeichnet in der Bibel allgemein Sexualität außerhalb der Ehe. Jesus nennt in Matth.15,19 Unzucht und Ehebruch gesondert, was zeigt, daß mit Unzucht nicht nur Ehebruch gemeint ist. Heute ist besonders in der evangelischen Kirche eine Diskussion im Gange, die dieses Gebot relativieren soll. Vorehelicher Geschlechtsverkehr und homosexuelle Praktiken sollen aus diesem Gebot herausgelöst und damit in der Gemeinde legitimiert werden. Unzucht ist nach Auffassung solcher Theologen nur noch der Gang ins Bordell. Gott aber fragt nicht danach, ob man für Sünde bezahlt oder sie gratis bekommt. Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe ist deshalb Sünde, weil er ein Geschenk Gottes an die Ehepartner ist, das diese in ihrer Psyche weit mehr verbindet, als man dies heute wahrhaben will. Nur in der Ehe aber nimmt man die Verantwortung füreinander so wahr, daß ein Schutz für das totale Verschenken und Öffnen auch im körperlichen und seelischen Bereich geschehen kann. Fehlt diese Sicherheit, so bleiben innere Verletzungen, die verhindern, daß man sich wirklich jemandem ganz anvertrauen kann. Das wissen nicht nur die Christen. So singt der Liedermacher Kurt Dämmler in einem seiner Songs: "Mädchen sterben scheibchenweise, sozusagen von Mann zu Mann ...” Gott will uns mit dieser Ordnung nicht die Freude an der Sexualität nehmen, sondern diese aufwerten und schützen, besonders heute in einer Zeit der sexuellen Inflation.(1.Thess.4,2-4)

3. Blut - Der Genuß von Blut war zur damaligen Zeit beliebt. Auch heute noch sind viele satanische Kulte und okkulte Weihen mit Trinken von Blut verbunden. Oft war Blutgenuß auch mit mystischen Vorstellungen verbunden. Auch wenn wir dieses Gebot heute nicht mehr völlig verstehen, sollten wir wissen, daß wir nur durch das Blut Jesu Lebenskraft bekommen. (Abendmahl)

Diese Punkte sind ein Gerüst für das Zusammenleben in der Gemeinde. Es sind keine Todsünden, sondern ihre Mißachtung bringt Krankheit und Leid in den Leib Jesu. Deshalb ist es auch möglich, daß Geschwister, welche auf Hinweise zur Korrektur nicht hören, aus der Gemeinde ausgeschlossen werden.

12. Gemeindezucht

Ein Gemeindeausschluß ist weitaus bedeutsamer als ein Austritt aus einem Verein. Er beeinflußt den Schutz des einzelnen vor den Mächten Satans. Er wird nötig, wenn Gemeindeglieder sich in grundsätzlichen Fragen des Gemeindelebens nicht belehren und korrigieren lassen. Diese Fragen betreffen die o.g. Punkte: Festhalten an Okkultsünden, Ehebruch oder Unzucht, außerdem Verbreitung von Irrlehren oder Verleumdungen trotz erfolgten Hinweisen und andere für die Gemeinde zerstörend wirkende Aktivitäten. Gemeindezucht wird nicht verhängt aufgrund einer Sünde, in die man geraten ist, sondern bei Unbußfertigkeit über offenkundig begangene Sünden, die sich auf die ganze Gemeinde auswirken. So verurteilt Jesus die Ehebrecherin (Joh.10) nicht, sondern ermahnt sie (Vers 11): Sündige hinfort nicht mehr !

Um Gemeindeglieder vor der Willkür ungeistlicher Leiterschaft zu schützen und dem Mißbrauch von Gemeindezucht als "innergemeindliches Machtmittel" vorzubeugen, gibt Jesus eine klare Reihenfolge der zu gehenden Schritte in Matth.18,15-17 an:

- Zurechtweisung unter vier Augen
- Zurechtweisung mit einem oder zwei Zeugen (noch immer vertraulich)
- Zurechtweisung vor der Gemeinde (öffentlich)
- Ausschluß


Daß die ersten zwei Schritte vertraulich geschehen, zeigt, wie sehr wir uns gegenseitig achten sollen.
Es soll die Umkehr leicht machen, so, daß die anderen Schritte nicht nötig werden.
(Lies dazu auch: 1.Kor.5 / 2.Tess.3,6 / Tit.3,10+11, aber auch 2.Kor.2,5-11 (bei Einsicht bestrafter Gemeindeglieder!
)

13. Ämter in der Gemeinde

Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi, damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind der Lehre bewegen und umhertreiben lassen ...

Jesus als Haupt seines Leibes ist gleichzeitig auch der “Topmanager” der Gemeinde. Er hat klare Strukturen und Dienste mit genau umrissenen Arbeitsbeschreibungen gesetzt. Durch seinen Heiligen Geist bestimmt er, wer zu welchem Dienst berufen ist. Nicht ein Diplom, sondern seine Salbung für bestimmte Dienste, die auch von der Gemeinde wahrnehmbar ist, bestimmt die Verteilung der verschiedenen Ämter in der Gemeinde (Apg.13,1-3). Im o.g. Text werden uns fünf wichtige Dienste genannt, die verschiedenen Arbeitsbereichen einer Gemeinde entsprechen.

1. Apostel: Apostel haben eine Schlüsselfunktion bei der Gründung neuer Gemeinden. Sie haben deshalb übergemeindliche Autorität, die sie aber nicht ohne Einverständnis des jeweiligen Gemeindeleiters gebrauchen (3.Joh.9). Sie sind für die Lehre im gesamten Leib Jesu verantwortlich. Die Bestätigung ihrer Lehre gründet sich nicht auf Überlieferungen, sondern auf Begegnung mit dem auferstandenen Herrn (Gal.1,11+12). Der Dienst der Apostel ist nicht auf die 12 Jünger beschränkt, die später Apostel genannt wurden, sonst würde er hier nicht extra aufgeführt. Aposteldienste sind besonders gefragt in Zeiten von vermehrten Gemeindegründungen. Der Dienst des Apostels ist von übernatürlichen Zeichen geprägt (2.Kor. 12,12) und erfordert eine besondere Hingabe (2.Kor.11,23-28 / 6,3-10 / 4,1-12).

2. Propheten: Nach Eph.2,20 haben die Propheten gemeinsam mit den Aposteln einen Dienst, auf deren Grundlage sich Gemeinde aufbaut. Das betrifft sowohl die Aufbauphase einer Gemeinde, wie auch die Lehre im Leib Jesu. Propheten reden im Auftrag Gottes. Er benutzt sie, um die Gemeinde oder einzelne Gläubige auf zukünftige Dinge hinzuweisen und vorzubereiten (Apg.21, 10+11). Das gilt für geistliche, politische oder persönliche Situationen. Der Dienst der Propheten im NT ist vor allem aufbauend und ermutigend (Apg.15,32). Prophetie muß an der Bibel und an ihrem Eintreffen geprüft werden. Gerichtsbotschaften, die keinen konkreten Ausweg zeigen und einen nur in einem unbestimmten Gefühl der Gottesferne zurücklassen, sind nicht von Gott.

3. Evangelisten: Evangelisten haben eine besondere Gabe, Nichtchristen anzusprechen und sich in ihre Denkweisen und Vorstellungen hineinzuversetzen. Ihr erstes Ziel ist es, Menschen zur Umkehr (Buße) und Wiedergeburt zu bringen. Haben die Menschen Jesus als ihren Herrn angenommen, überlassen sie diese der Obhut der entstehenden oder vorhandenen Gemeinde. Das biblische Anschauungsbeispiel eines Evangelisten ist Philippus (Apg.21,8). Durch seinen Dienst, begleitet von Zeichen und Wundern, wurden ganze Landstriche für das Evangelium gewonnen. Für die Nacharbeit jedoch (Beispiel Samaria) mußten die Apostel aus Jerusalem kommen.

4. Hirten (Pastoren): Der Begriff Hirte galt schon im AT im übertragenen Sinne für Menschen, denen Verantwortung für das Volk Gottes anvertraut wurde (Jer.3,15 / 23,4). Im NT wird die Gemeinde von den Aposteln oft als Herde bezeichnet, wobei der Hirte nach Apg.20,28 eine Aufseherfunktion innehatte, welche die Gesamtverantwortung für die Gemeinde einschloß. Dieses Amt beinhaltet im Gegensatz zum Evangelisten eine Konzentration auf die Gemeindeglieder, diejenigen, die bereits wiedergeboren sind. Biblische Seelsorge ist eine wichtige Aufgabe des Hirten. Es ist jedoch nicht immer notwendig, daß ein klassischer Seelsorger Gemeindeleiter ist. Dieser kann ebensogut Apostel (Petrus in Jerusalem, Johannes in Ephesus), Lehrer oder Prophet sein. Entsprechend wird die Ausrichtung der gesamten Gemeinde sein. Die Gleichung Hirte = Gemeindeleiter ist erst im Verlauf der Kirchengeschichte entstanden. Zwar kennt das NT die Funktion des Gemeindeleiters, dieser wird jedoch immer von einem Team anderer Dienste unterstützt.

5. Lehrer: Im Missionsauftrag gebietet Jesus, seinen Jüngern, sie sollen die Menschen in allen Nationen zu Jüngern machen und sie, nachdem sie getauft sind, alles lehren, was sie von Jesus gelernt haben. Jünger sind Lernende. Lehre ist die Fülle der geoffenbarten Gedanken Gottes. Der Heilige Geist ist einerseits Lehrer der Gemeinde (Luk.12,12 / Joh.14,26), andererseits hat er einige gesetzt zu Lehrern. Da der Teufel die Welt durch Betrug und Lüge regiert, ist Lehre der Gedanken und des Wesens Gottes für jeden Gläubigen wichtig, wenn er nicht vom Satan betrogen werden will. Lehre hilft uns, das Wort Gottes auf unsere Situation anzuwenden und unseren Status als Kinder und Erben Gottes zu erkennen. Lehre der Weisungen Jesu und der Apostel haben eine Schutzfunktion für die Gemeinde. Wenn ich z.B. entsprechend der Lehre in Eph.4,26 handele (Laßt die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn ...) kann ich mir in Ehe und Familie viel Leid ersparen, weil negatives Denken nicht erst über Nacht in den unzugänglicheren Schichten des Unbewußten gespeichert wird.

Gott möchte heute die fünf o.g. Dienste wieder neu in den Mittelpunkt des Gemeindebaus rücken. Die kirchengeschichtliche Rückentwicklung der Dienste Apostel, Prophet, Evangelist und z.T. auch des Lehrers oder ihre Zusammenfassung in der Person des Pastors (Hirten) hat einerseits zu einer Überforderung des Hirtendienstes geführt. Andererseits haben sich alle Dienste, welche nach außen arbeiten (Gemeindeneugründungen) zurückgebildet, was sich in Westeuropa in der Stagnation des Christentums niederschlägt. Wenn Gemeinden wieder beginnen, wie die Gemeinden Jerusalem und Antiochia, Apostel, Propheten und Evangelisten auszusenden, wird die Christenheit auch in unseren Breiten ein rasantes Wachstum erfahren.

Zusammenfassung:

Die Gemeinde wird in der Bibel als Braut Jesu bezeichnet. Das betont die besondere Vertrautheit und Stellung der Gemeinde, Jesus, dem Bräutigam gegenüber. Als Leib Jesu führt sie sein Werk auf dieser Erde weiter.

Die Gemeinde Jesu ist außerdem ein Anschauungsbeispiel für die Welt in Bezug auf das Miteinander der einzelnen Glieder. Zuvorkommenheit und Liebe untereinander sind Auswirkungen der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist. Die Gemeinde ist die Basis des Heiligen Geistes in dieser Welt. Wie er in jedem wiedergeborenen Christen wohnt, so wohnt er auch mitten in der Gemeinde.

Jesus erkennt jede Ortsgemeinde als Gemeinde, und möchte, daß sich jeder Christ verbindlich einer Ortsgemeinde zuordnet. Diese bietet ihm Schutz vor Angriffen der Finsternis und ermöglicht eine effektive Erfüllung des Missionsauftrages, den Jesus seinen Jüngern gab.

Das Verhältnis zu Jesus und untereinander ist nicht durch ein kompliziertes frommes Regelwerk geordnet, sondern beschränkt sich auf wenige grundlegende Weisungen Jesu und der Apostel. Christen, welche trotz wiederholter Aufforderung offensichtliche Schuld und Fehlhaltungen nicht zu korrigieren bereit sind, können nach mehrfachen Hinweis darauf ausgeschlossen werden.

Jesus hat für verschiedene Aufgabenbereiche verschiedene Dienste eingesetzt, damit jeder Christ in jeder Wachstumsstufe zugerüstet wird und sein Reich weiter ausgebreitet wird.

Laßt uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist. Eph.4,11-16a



Fragen zum Thema X:

Nenne Gemeinschaftsformen, die Gott im AT auswählte, um sich der Welt zu offenbaren!
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Beschreibe die Einzigartigkeit der Gemeinschaft, die Jesus mit seiner Gemeinde hat!
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Woraus können wir entnehmen, daß die Gemeinde für Jesus Lohn seines Glaubens und Leidens ist?
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Warum bezeichnen Jesus und die Apostel die Gemeinde als Braut? Finde Parallelen!
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Welche Bedeutung hat die Gemeinde für den Heiligen Geist?
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Welche Bedeutung hat der Heilige Geist für die Gemeinde?
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Warum vergleicht Paulus die Gemeinde mit einem Tempel?
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Welchen Stellenwert haben für Jesus die einzelnen Ortsgemeinden?
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Welche Verheißungen in Bezug auf den Schutz vor Angriffen Satans gab Jesus der Gemeinde?
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Beschreibe die Aufgaben der Gemeinde Jesu in dieser Welt!
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Wie wird man Teil der Gemeinde Jesu?
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Was bedeutet Gemeindezucht? Wann und wie wird sie praktiziert?
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Nenne die fünf von Gott in der Gemeinde gesetzten Ämter und erläutere sie kurz!
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Anhang

Informationen zum Grundlagenseminar

Mit freundlicher Genehmigung
des Autors Alf Mudrich,
Josua-Gemeinde Bautzen,

http://www.josua-gemeinde-bautzen.de
in das Microsoft Reader Format konvertiert, von
Bernd Amann
Jesus Christus Evangeliumsdienst

Kamp-Lintfort
http://www.jesus-christus-evangelium.de/

Das Grundlagenseminar besteht aus insgesamt 10 Themen:
Thema I
Die Autorität der Bibel
Thema II
Die Botschaft vom Kreuz
Thema III
Begräbnis und Auferstehung Jesu
Thema IV
Die neue Geburt
Thema V
Taufe
Thema VI
Die Taufe mit dem Heiligen Geist
Thema VII
Leben mit dem Heiligen Geist
Thema VIII
Der Kampf des Christen
Thema IX
Wiederkunft Jesu
Thema X
Christ und Gemeinde

Diese 10 Themen im htm-Format und im Microsoft Reader-Format können Sie auf unserer Internetseite downloaden:
http://www.jesus-christus-evangelium.de/Grundlagenseminar.htm

Alle 10 Original-Themen im pdf-Format können Sie auf der Internetseite der Josua-Gemeinde Bautzen downloaden:
http://www.josua-gemeinde-bautzen.de/Publikation/publikation.html

Grundlagenseminar

Glaubensgrundlagen: Überblick / Inhalt

Verantwortlich für den Inhalt dieser Homepage ist:

Bernd Amann, 47475 Kamp-Lintfort, Krokusweg 6

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(Letztes Update: 20.09.2001)